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Diese Begriffe erkläre ich in meinem Lexikon.
Die Unterscheidung von hyperaktivem und "normalem" Verhalten ist abhängig von der Auffassung des Beurteilers. Was der eine als unnormal empfindet, fasst ein anderer als herzerfrischende Lebhaftigkeit auf. Bei ADHS gibt es ein Kontinuum von "nicht vorhanden" bis "stark ausgeprägt". Stets sollte man sich die Frage stellen, ob die Verhaltensweisen des Kindes als "Temperament", "Störung" oder gar als "Erkrankung" gewertet werden sollten.
Nein. Es gibt derzeit kein standardisiertes Testverfahren, mit dem sich das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom zuverlässig nachweisen lässt. Die Diagnose gründet sich auf Beobachtungen des kindlichen Verhaltens sowie auf Bewertungen dieser Verhaltensweisen durch den Diagnostiker, die Eltern und das weitere soziale Umfeld des Kindes.
Das kann man nicht. In diesem Alter zeigt jedes Kind ADS-Symptome (z.B. kurze Aufmerksamkeitsspanne, Unruhe, Wutanfälle).
Nein. ADS/ADHS kann mit keinem technischen Verfahren sichtbar gemacht bzw. nachgewiesen werden. Die Diagnose stützt sich allein auf Verhaltensbeobachtungen.
Hyperaktivität lässt im Laufe der Jahre, insbesondere mit Eintritt in die Pubertät, nach. Andere ADS-Symptome, z.B. Impulsivität und Aufmerksamkeitsdefizite, sind mitunter auch noch bei Erwachsenen zu beobachten.
Studien (u.a. Barkley 1999) deuten darauf hin, dass ADS/ADHS vererbt werden kann. So finden sich in der Familie von hyperaktiven und impulsiven Kindern häufig ebenfalls betroffene Verwandte. Wenn ein Elternteil betroffen ist, ist das Kind in 50 Prozent der Fälle auch betroffen. Bei Geschwistern liegt die Prognose bei 30 Prozent. Jedoch können Häufungen in der Familie auch dahingehend gedeutet werden, dass die Familienmitglieder das mit ADS in Verbindung gebrachte Verhalten voneinander abgucken ("Lernen am Modell", "Beobachtungslernen").
Ein unaufmerksames und unruhiges Kind stellt Eltern vor Herausforderungen, auf die sie in aller Regel nicht ausreichend vorbereitet sind. In einem Elterntraining können Mütter und Väter lernen, die besonderen Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen und sich in ihrem Erziehungsverhalten auf sie einzustellen. Was ist mit liebevoller Konsequenz gemeint? Wie bringe ich mein Kind dazu, sich an Regeln und Abmachungen zu halten? Warum sollte auf Strafen möglichst verzichtet werden? Wie gehe ich mit meiner Wut um? Dies sind nur einige der Fragen, die in einem Elterntraining gestellt und beantwortet werden.
Hier finden Sie Informationen zu der Fortbildung "Elterntrainer/in bei ADS/ADHS". Sie qualifiziert zur selbstständigen Durchführung von Elterntrainings unter besonderer Berücksichtigung der Situation ADS-betroffener Familien.
Grundsätzlich ist jede Schulart geeignet, die den Begabungen des Kindes entspricht. Es liegt an den Lehrern und Lehrerinnen, gemeinsam mit dem Kind Strategien zu entwickeln, die Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen das Lernen ermöglichen. Nehmen Sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe auf und fragen Sie dort nach Erfahrungen mit den Schulen in Ihrer Nähe.
Nicht sofort. Geben Sie den Lehrern Gelegenheit, sich ein möglichst unvoreingenommenes Bild von Ihrem Kind zu machen. Schnell könnte Ihr Kind mit einem Etikett versehen in einer Schublade landen, aus der es nur noch schwer herauskommt. Sehen Lehrer ein Kind als "gestört" an, neigen Sie dazu, es nicht optimal zu unterrichten. Zudem kann es zu einer "sich selbst erfüllenden Prophezeiung" kommen: Die negativen Erwartungen der Lehrer führen dazu, dass das Kind sein Verhalten diesen Erwartungen anpasst. Erwartet man hingegen, das sich ein Kind positiv entwickelt, vergrößert sich die Wahrscheinlichkeit, dass dies tatsächlich eintrifft.
Sagen Sie Ihrem Kind, dass der Arzt bzw. Psychotherapeut bei ihm Verhaltensweisen beobachtet hat, die als ADS bezeichnet werden können. Sagen Sie ihm auch, dass es Lösungen für die damit verbundenen Schwierigkeiten gibt. Sagen Sie Ihrem Kind nicht, dass eine Störung in seinem Kopf festgestellt wurde. Zum einen ist dies nur eine Vermutung, zum anderen kann diese Aussage das Selbstbild und Selbstwertgefühl Ihres Kindes beeinträchtigen und zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen ("Ich kann nicht anders, weil ich dieses Problem im Kopf habe").
Da die Schwierigkeiten von Kindern mit ADS/ADHS unterschiedlicher Natur sind, kann es nicht eine einzige Therapieform geben, die allen Betroffenen hilft. Daher besteht eine sinnvolle ADS-Therapie aus mehreren Bausteinen. Bei Auffälligkeiten im Wahrnehmungsbereich kann z.B. Ergotherapie, Psychomotorik oder Heilpädagogisches Reiten angezeigt sein; psychologische Ansätze sind Psychotherapie (z.B. Verhaltenstherapie, Spieltherapie), Familientherapie und Heilpädagogik; Teilleistungsstörungen können Logopädie oder eine Lerntherapie (Legasthenie- bzw. Dyskalkulietherapie) erforderlich machen. mehr...
Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen haben Psychologie oder Pädagogik studiert und eine drei- bis etwa fünfjährige Zusatzausbildung absolviert. Sie können psychische Krankheiten bzw. Störungen feststellen und heilen. Es gibt verschiedene Therapieformen, auf die Psychotherapeuten spezialisiert sein können, z.B. Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie, Familientherapie oder Psychoanalyse. Psychotherapeuten, die für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ausgebildet sind, heißen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten.
Ziel einer Verhaltenstherapie ist die Veränderung des gegenwärtigen Verhaltens durch Verlernen, Umlernen und Neulernen. Verhaltenstherapeuten gehen davon aus, dass jedes Verhalten erlernt ist und daher auch wieder verlernt werden kann. Es geht nicht um die Aufdeckung unbewusster seelischer Konflikte, sondern um die Arbeit am Symptom, dem (Fehl-)Verhalten. Häufig eingesetzte Methoden sind die Untersuchung von Wahrnehmungen, Denkweisen und Einstellungen auf Angemessenheit, das Erarbeiten alternativer Interpretationen und Einstellungen, das Erlernen von Selbstbeobachtung und Selbstkontrolle mittels Stoppsignalen, positive Verstärkung und das Einüben neuer Verhaltensweisen in Rollenspielen.
Ritalin ist umstritten, weil es unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, weil es den Blick auf mögliche psychische Ursachen der ADS-Symptome versperren kann und weil es immer wieder in Zusammenhang mit einer möglichen Parkinson-Erkrankung im höheren Lebensalter gebracht wird.
Methylphenidat und Amphetamine haben bei fast allen Menschen eine konzentrations- und leistungssteigernde Wirkung. Sie wirken einer Ermüdung entgegen und können bei hohen Gaben den Schlaf verhindern. Der Blutdruck steigt und die Herzfrequenz kann beschleunigt sein.
Eine medikamentöse Behandlung kann in einigen Fällen die Lernfähigkeit verbessern, sie aber in anderen verschlechtern. Monotone Aufgaben gelingen besser; Aufgaben, die Schlussfolgerungen und Kreativität erfordern, gelingen nach Aussagen von Betroffenen und Lehrern eher schlechter.
Ich gehe davon aus, dass viel Fernsehen eine Neigung zu ADS/ADHS verstärken kann. Die Aufmerksamkeitsspanne verkürzt sich, weil das Kind mediale „Action“ gewohnt ist, die die Realität nicht bieten kann. Kindern mit ADS/ADHS mangelt es insbesondere an sozialen Fähigkeiten, die sich üblicherweise im Kontakt mit Gleichaltrigen entwickeln. Wenn gerade diese Kinder viele Stunden am Tag vor dem Fernseher sitzen, geht das von der Zeit ab, die sie spielend mit anderen Kindern verbringen könnten. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind höchstens eine Stunde pro Tag fernsieht.
Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnen vor dem Verzehr von Nahrungsergänzungsmittel aus AFA-Algen (Aphanizomenon flos-aquae). Bestimmte Stämme dieser Organismen bilden Gifte, die das Nervensystem angreifen und schädigen können. Daneben können sie mit anderen Cyanobakterien verunreinigt sein, die ihrerseits leberschädigende Gifte (Microcystine) erzeugen. Es liegt keine Studie vor, die einen Nutzen der AFA-Alge belegt.
In einigen Büchern und auf einigen Websites ist von "Indigo-Kindern" (Indigo = blauer Farbstoff von großer Lichtechtheit) die Rede. Diese Kinder, hauptsächlich Kinder mit ADS-Symptomen, werden dort als "Kinder der Neuen Zeit" oder auch als "Neue Kinder" bezeichnet. Sie gelten als nicht krank und sollen doch von einigen "Indigo-Therapeuten" mit Hilfe esoterischer Methoden (z.B. Aura ausstreichen mit Kristallen oder "Farbatmen") geheilt werden. Positiv an diesem Ansatz ist, dass es nicht darum geht, was diese Kinder nicht können. Die Einzigartigkeit und die zum Teil außergewöhnlichen Fähigkeiten dieser Kinder stehen im Vordergrund.
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Christine Falk-Frühbrodt, M.A.
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